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Interview
Christian Pünchera: Im HBZ in Moers bündeln wir die überbetriebliche Ausbildung für mehrere Innungen, unter anderem für Tischler, Anlagenmechaniker SHK, Kfz-Mechatroniker, Elektroniker, Metallbauer und Schlosser; hinzu kommt die Bäcker-Innung, die historisch bedingt ihre Werkstatt bei uns angesiedelt hat. Neben den Auszubildenden sprechen wir verstärkt auch Erwachsene an – etwa mit Qualifizierungen rund um Hochvoltfahrzeuge, Abgasuntersuchung sowie Airbag- und Klimatechnik – und öffnen das Haus für freiwillige Feuerwehren aus den Kreisen Wesel und Kleve, denen wir vermitteln, wie sie an Unfallstellen mit E-Fahrzeugen sicher arbeiten.
Das HBZ versteht sich als Fundament der Innungen: Alles, was in den Betrieben technisch nicht vermittelt werden kann, wird in unseren modernen Schulungsräumen auf rund 3.000 Quadratmetern auf ein einheitlich hohes Niveau gebracht.
René Gravendyk: Das HBZ ist kein starres Gebäudeprojekt, sondern ein dynamisches Bildungszentrum, das seine Inhalte kontinuierlich an neue Technologien anpasst. Ein wesentlicher Meilenstein war der Ausbau eines separaten Hochvoltraums: Wir konnten einen Raum komplett umbauen, sicher abschirmen und mit E-Fahrzeugen und Hochvolttechnik ausstatten, um Inhalte zu vermitteln, die in vielen Betrieben nicht darstellbar sind.
Norbert Buhl: Man sieht die Entwicklung daran, dass wir neue Techniken wie Wärmepumpen aktiv in die Ausbildung integrieren und die Werkstätten mit aktueller Anlagentechnik aufrüsten. Unser Ziel ist, dass die Auszubildenden frühzeitig mit realen Anlagen arbeiten und später im Betrieb schnell Verantwortung übernehmen können.
Rainer Theunissen: Unterschiedliche Leistungsniveaus hat es in der dualen Ausbildung immer gegeben, deshalb greifen bei uns mehrere Fördermechanismen ineinander. In den Berufskollegs wurde der klassische Schwerpunkt durch zusätzliche Fächer wie Deutsch und Englisch ergänzt, sodass die Jugendlichen mit einem breiter aufgestellten Abschluss aus der Ausbildung gehen.
René Gravendyk: Im HBZ erleben wir, dass sich die jungen Leute gegenseitig stützen: Theoretisch stärkere Azubis erklären Inhalte, während praktisch starke Jugendliche ihre Handgriffe weitergeben. Zudem besteht ein enger Austausch zwischen Berufskollegs und unseren Ausbildern, um Betroffene gemeinsam zu unterstützen.
Christian Pünchera: In den Kernberufen wie Elektroniker, Anlagenmechaniker SHK und Kfz-Mechatroniker sind die Kurse derzeit sehr gut ausgelastet, sodass wir Erwachsenenbildungsangebote nur mit großem planerischen Aufwand dazwischenschieben können. In anderen Gewerken – etwa im Metallbau – arbeiten wir stärker gewerkeübergreifend und nutzen zum Beispiel die Schweißwerkstatt gemeinsam.
René Gravendyk: Der Fachkräftemangel zeigt sich vor allem an der veränderten Übergangsphase zwischen Schule und Betrieb: Viele Jugendliche wählen nach dem Abitur eher ein Studium. Darauf reagieren wir, indem die Innungsbetriebe mehr Praktikumsplätze anbieten und jungen Menschen klare Perspektiven vom Gesellenbrief bis zum Meister aufzeigen.
René Gravendyk: Wir brauchen einen intensiveren Kontakt zu den Schulen der Sekundarstufe I, damit das Handwerk nicht nur theoretisch, sondern praktisch in Werkstätten erlebt wird. Idealerweise kommen ganze Klassen regelmäßig ins HBZ, arbeiten an kleinen Projekten und nehmen am Ende ein eigenes Werkstück mit nach Hause.
Christian Pünchera: Wichtig ist, dass Lehrerinnen und Lehrer bei der Berufsorientierung nicht allein gelassen werden. Darum sollte es feste Formate geben, bei denen das HBZ gemeinsam mit den Innungen präsent ist und das Handwerk modern und zukunftsorientiert zeigt.
Christian Pünchera: Aktuell bereiten wir eine „Woche des Handwerks“ für Moerser Schulen vor, bei dem Acht- und Neuntklässler in verschiedene Gewerke hineinschnuppern und unter Anleitung unserer Ausbilder etwas Eigenes herstellen. Wenn sich das Format bewährt, wollen wir es auf Schulen der WIR4-Region ausweiten.
René Gravendyk: Sehr positive Erfahrungen haben wir mit Schulungen für freiwillige Feuerwehren gemacht. Dieses Konzept – externe Zielgruppen mit klar umrissenen Praxisfragen ins HBZ zu holen – lässt sich gut auf Schulklassen übertragen.
Rainer Theunissen: Mit dem Satz „Mein Kind soll etwas Besseres werden“ wollen wir aufräumen. Wir zeigen anhand konkreter Lebensläufe, dass der Weg über Ausbildung und Meister hervorragende Karriere- und Verdienstchancen eröffnet.
René Gravendyk: Im Kfz-Bereich machen wir deutlich, dass die Vorstellung vom „Räder wechseln“ längst überholt ist: Der Kfz-Mechatroniker arbeitet an komplexen Hochvolt- und Assistenzsystemen. Im SHK-Bereich erwerben Auszubildende zudem fast automatisch elektrotechnische Grundkenntnisse.
Christian Pünchera: Bei Gewerken mit schwächerer Nachfrage setzen wir auf gemeinsame Infrastruktur: Werkstätten werden gewerkeübergreifend genutzt. Gleichzeitig arbeiten wir mit den Innungen zusammen, um bei Berufsorientierungstagen und über Praktika die Qualitäten dieser Berufe sichtbarer zu machen.
Norbert Buhl: Das Zusammenwachsen von SHK- und Elektrohandwerk wird eine der größten Herausforderungen, weil Wärmepumpen und vernetzte Systeme ohne elektrotechnische Kompetenzen nicht mehr zu bewältigen sind. Das HBZ rüstet Werkstätten auf und lässt Auszubildende schon heute an Anlagen arbeiten, die morgen zum Standard gehören
Rainer Theunissen: KI wird viele Bürotätigkeiten verändern, aber sie hat keine Hände – und genau da liegt die Stärke des Handwerks. Wir werden digitale Werkzeuge stärker integrieren und gleichzeitig praktische Grundfertigkeiten bewusst stärken.
René Gravendyk: Die Zukunft im Handwerk hat längst begonnen: E-Mobilität, Wärmepumpen und Hybridtechnik sind seit Jahren Teil unserer Bildungsarbeit. Dafür wünschen wir uns passende Rahmenbedingungen, damit das HBZ jungen Menschen sichere Arbeitsplätze und klare Aufstiegsperspektiven bieten kann.