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Interview

Petra Richter und Christina Knapstein

Leitung Berufskolleg und Leitung Förderschulverbund

Der Unterricht findet im Klassenverband und in kleineren Lerngruppen im Wechsel statt, so dass das Lerntempo angepasst werden kann. Die gegenseitige Bereicherung und Unterstützung im Lernprozess werden angeregt. Der hohe Praxisanteil in der Ausbildung erleichtert auch lernschwächeren Auszubildenden das Lernen, da Unterrichtsinhalte direkt in der Praxis erprobt werden können. Das erhöht die Sinnhaftigkeit des Lernstoffes.

Interview mit Petra Richter

wir4: Bitte stellen Sie Ihre Schule kurz vor: Welche Bildungsgänge und Abschlüsse bieten Sie an?
Petra Richter: Das Neukirchener Berufskolleg bildet an der Fachschule für Sozialpädagogik staatlich anerkannte Erzieher (m, w, d) aus.
wir4: Welche Bedeutung hat Ihre Schule für die Fachkräftesicherung in der wir4-Region? Inwiefern kann Ihre Schule dazu beitragen, dass junge Menschen nach der Ausbildung in der Region bleiben?
Petra Richter: Erfahrungsgemäß bewerben sich bei uns Männer und Frauen aus der Region. Durch die praxisintegrierte Ausbildungsform (PiA) binden sich die Auszubildenden parallel zur schulischen Ausbildung direkt an einen sozialen Träger. In der Regel findet hier nach der Ausbildung auch eine Übernahme statt.
wir4: Was zeichnet Ihre Schule aus Ihrer Sicht besonders aus? Welche neuen Lern- und Ausbildungskonzepte (z. B. Digitalisierung, moderne Werkstätten, neue Berufsbilder) sind vorgesehen?
Petra Richter: Das Kollegium ist gut ausgebildet, der Fachkräfteanteil ist hoch, die Seiteneinsteiger und Seiteneisteigerinnen bereichern den Unterricht durch die eigene langjährige sozialpädagogische Erfahrung. Das Kollegium nutzt die zahlreichen Fortbildungsangebote der Bezirksregierung um methodisch, didaktisch und in Bezug auf Digitalität auf Stand zu bleiben. Durch die enge Verzahnung zum Träger profitiert die Fachschule von der Trägerstruktur (EDV- Abteilung, Key-User-Lucas Neumann, Fortbildungsakademie 8Fortbildungen zu aktuellen, sozialpädagogischen Themen) und digitale Ausstattung, Gebäudemanagement. Das Schulgebäude wird regelmäßig renoviert (Aula, Klassenräume, Büros, Sanitäranlagen, Dachsanierung)
wir4: Wie gelingt bei Ihnen die Verbindung von Theorie und Praxis?
Petra Richter: Durch die piA Ausbildungsform (3 Jahre: Lernort Schule und Lernort Praxis, 2 Tage Schule, 3 Tage Praxis in der Woche, plus Blocktage und Blockwochen zur Vertiefung von Inhalten. 25 Ausbildungsplätze sind in jedem Schuljahr vom Träger garantiert, 25 Ausbildungsplätze extern in der Region. Eine Übernahme nach der Ausbildung ist erwünscht, hier greift die zusätzliche Kooperation mit dem Recruiting und der Abteilung für Öffentlichkeit (Träger). Zur Verzahnung von Theorie und Praxis betreuen wir die Auszubildenden parallel zur Theorieausbildung individuell in der Praxis. Jeder Auszubildener wird viermal im Schuljahr in der Praxis besucht, reflektiert und bewertet. Hierzu bildet sich ein Beratungsteam aus Praxisanleitung (Einrichtung), Lehrkraft (Schule) und Auszubildender. Zu regelmäßigen Gespräche werden die Praxisanleitungen und Bereichsleitungen in die Schule eingeladen. Darüber hinaus trägt die Praxiscoachin zur Vernetzung und Kooperation mit den internen Praxisfachkräften im hohen Maße bei.
wir4: In welchen Berufsfeldern sehen Sie aktuell den größten Fachkräftebedarf? Welche Rolle spielt Ihre Schule bei der Förderung von Bildungsgerechtigkeit und individuellen Bildungswegen?
Petra Richter: Die Fachschule beschult insgesamt 150 Auszubildende. Somit ist die Gesamtlerngruppe überschaubar. Individuelle Förderung ist möglich und wird hier auch wirklich gelebt. Auf ein positives Lernklima wird geachtet. Lehrkräfte unterstützen individuell, das eigenständige Lernen wird angeregt. Der Unterricht findet im Klassenverband und in kleineren Lerngruppen im Wechsel statt, so dass das Lerntempo angepasst werden kann. Die gegenseitige Bereicherung und Unterstützung im Lernprozess werden angeregt. Der hohe Praxisanteil in der Ausbildung erleichtert auch lernschwächeren Auszubildenden das Lernen, da Unterrichtsinhalte direkt in der Praxis erprobt werden können. Das erhöht die Sinnhaftigkeit des Lernstoffes.
wir4: Was macht berufliche Bildung an Ihrer Schule für junge Menschen attraktiv?
Petra Richter: Die Atmosphäre der Schule: Gepflegte Räume (Haustechnik und Hauswirtschaft), das gute und persönliche Schulklima in der Schulgemeinschaft (nur 150 Auszubildende insgesamt), die Anbindung an den Träger-Praxiserfahrung während der Ausbildung und Möglichkeit der Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung aber auch das Mitwirken und die Teilnahme an Veranstaltungen des NEVs. Das Leitbild des NEVs prägt auch das Schulleben. Regelmäßige Andachten fördern den Zusammenhalt in der Schulgemeinschaft. Das junge und gut ausgebildete Lehrpersonal. Das Schulsekretariat, die Praxischoachin und der Key-User runden das Lernklima ab.
wir4: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen? Wie werden regionale Unternehmen konkret in die Ausbildung und Weiterentwicklung der Berufsschulen eingebunden?
Petra Richter: Wir kooperieren regional sowohl mit internen als auch mit externen sozialpädagogischen Einrichtungen (Jugendhilfe, Kita, OGS, Eingliederungshilfe)
wir4: Welche Themen werden die berufliche Bildung in den nächsten Jahren besonders prägen?
Petra Richter: Umgang mit KI im schulischen und beruflichen Kontext, Einsatz und Bedeutung von Fachkräften in der sozialpädagogischen Arbeit, individuelle Begleitung und Beratung während der Ausbildungszeit.
wir4: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beruflichen Bildung in der wir4-Region?
Petra Richter: Fortbildungs- und Beratungsangebote, damit wir als Berufskolleg immer aktuell und gezielt für die berufliche Bildung unserer Zielgruppe informiert sind und bleiben.
wir4: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle als Schulleiterin?

Petra Richter: Ich bin gerne Schulleiterin an unserem BK, da ich hier die Möglichkeit habe direkt mit allen Studierenden im Austausch zu sein. Das ist nur an einem „kleinen Berufskolleg“ mit geringer Schülerzahl möglich.
So bin ich als Schulleitung neben administrativen Aufgaben immer auch Teil der Schulgemeinschaft und bekomme die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler direkt mit.
Ebenso bin ich als Praxislehrkraft mit im unterrichtlichen Einsatz, so bin ich häufig in der Praxis vor Ort und habe auch hier den direkten Austausch zu den Kooperationspartnern.

Ebenso schätze ich in Bezug auf die administrativen Aufgaben die Trägerstruktur und den guten Austausch und ebenso die Unterstützung.

wir4: Frau Richter, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview mit Christina Knapstein

wir4: Bitte stellen Sie Ihre Schule kurz vor: Welche Bildungsgänge und Abschlüsse bieten Sie an?

Christina Knapstein: Bei der Sonneck-Schule handelt es sich um eine Förderschule für die sonderpädagogischen Förderschwerpunkte Emotionale und soziale Entwicklung, sowie Lernen im Bildungsgang der Grund- und Hauptschule, und im Berufskolleg. Das Berufskolleg der Sonneck-Schule begleitet junge Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg in das Berufsleben. Mit einer Kombination aus Unterricht und praktischer Erfahrung schaffen wir die Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Orientierung und Integration.

Im Berufskolleg bieten wir die Ausbildungsvorbereitung (BQF) in den Berufsfeldern Bautechnik und Hauswirtschaft/Ernährung an. Es handelt sich um einen einjährigen Lehrgang. Die Schüler:innen können den Ersten oder den Erweiterten Ersten Schulabschluss nachmachen und durch das intensiv begleitete Jahrespraktikum von 3 Tagen in der Woche einen Ausbildungsplatz finden. Falls der Berufswunsch noch nicht gefestigt ist, können in diesem Jahr auch verschiedene Berufsfelder ausprobiert werden.

wir4: Welche Bedeutung hat Ihre Schule für die Fachkräftesicherung in der wir4-Region? Inwiefern kann Ihre Schule dazu beitragen, dass junge Menschen nach der Ausbildung in der Region bleiben?
Christina Knapstein: Einige unserer Jugendlichen wohnen hier in Jugendhilfeeinrichtungen und kommen aus ganz Deutschland. Wenn Sie hier am Niederrhein einen Ausbildungsplatz bekommen, entscheiden sie sich, nicht in ihre Heimatregion zurückzugehen, sondern hier zu bleiben. Durch unser BQF werden sie bei der Ausbildungsplatzsuche zusätzlich unterstützt.
wir4: Was zeichnet Ihre Schule aus Ihrer Sicht besonders aus? Welche neuen Lern- und Ausbildungskonzepte (z. B. Digitalisierung, moderne Werkstätten, neue Berufsbilder) sind vorgesehen?
Christina Knapstein: Unsere Schule ist mit I-Pads und Smartboards ausgestattet, denn die digitale Förderung unserer Schülerinnen und Schüler liegt uns am Herzen, damit eine berufliche Eingliederung gelingen kann.
wir4: Wie gelingt bei Ihnen die Verbindung von Theorie und Praxis?
Christina Knapstein: Unsere Schüler:innen werden im Unterricht an 2 Tagen in der Woche auf den Schulabschluss vorbereitet. Wofür sie die Theorie lernen, sehen sie an den 3 Tagen, die sie pro Woche im Praktikum verbringen. Das ist höchst motivierend und führt dann auch zu besseren Schulleistungen.
wir4: In welchen Berufsfeldern sehen Sie aktuell den größten Fachkräftebedarf? Welche Rolle spielt Ihre Schule bei der Förderung von Bildungsgerechtigkeit und individuellen Bildungswegen?
Christina Knapstein: Durch das BQF können auch Schüler:innen, die in den 10 Pflichtschuljahren aus vielfältigen Gründen keinen qualifizierten Schulabschluss erwerben konnten, diesen nachholen. Wir bringen unsere Schüler:innen in erster Linie im Handwerk unter. Hier werden Fachkräfte händeringend gesucht und hier können die Praktikant:innen auch gut mitarbeiten und schnelle Erfolgserlebnisse haben.
wir4: Was macht berufliche Bildung an Ihrer Schule für junge Menschen attraktiv?
Christina Knapstein: Wir sind eine kleine Schule, können sehr individuell auf die jungen Menschen eingehen und sie passgenau unterstützen.
wir4: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen? Wie werden regionale Unternehmen konkret in die Ausbildung und Weiterentwicklung der Berufsschulen eingebunden?
Christina Knapstein: Im Rahmen der Berufsvorbereitung ist ein Langzeitpraktikum von 3 Tagen in der Woche vorgesehen. Dieses Praktikum absolvieren die Schülerinnen und Schüler bei regionalen Unternehmen, häufig in Handwerksbetreiben oder im Einzelhandel in Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort, Moers oder Rheinberg. Unsere Lehrkräfte arbeiten sehr eng mit den Betrieben zusammen und nehmen Hinweise auf, wenn z.B. Lerninhalte nachgeholt werden sollen.
wir4: Welche Themen werden die berufliche Bildung in den nächsten Jahren besonders prägen?
Christina Knapstein: In die berufliche Bildung wird die Digitalisierung immer mehr Einzug halten. Immer mehr Berufe werden von KI unterstützt oder übernommen werden. Uns ist es ein Anliegen, dass wir unsere Schülerinnen und Schüler in zukunftsfähigen Berufen, vor allem im Handwerk unterbringen.
wir4: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beruflichen Bildung in der wir4-Region?
Christina Knapstein: Für unsere Schülerinnen und Schüler in der Ausbildungsvorbereitung wäre eine gute Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr in die Gewerbegebiete wünschenswert. Immer wieder scheitert ein Praktikumsplatz z.B. in der Großbäckerei oder im Genend daran, dass Betriebe schlecht erreichbar sind.
wir4: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle als Schulleiterin bzw. Schulleiter?
Christina Knapstein: Mir liegt es am Herzen, das einzigartige Talent jedes Schülers und jeder Schülerin zu entdecken und eine passgenaue Ausbildungsstelle dafür zu finden.
wir4: Frau Knapstein, herzlichen Dank für das Gespräch.