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Interview

Andrea Braun

Schulleiterin - Hermann-Gmeiner Berufskolleg

In allen Berufsfeldern kooperieren wir mit Ausbildungs- oder Praktikumsbetrieben und bieten so unseren Schüler:innen, Fachschulstudierenden und Auszubildenden unmittelbare Berufsperspektiven in Moers und am Niederrhein.
wir4: Bitte stellen Sie Ihre Schule kurz vor. Welche Bildungsgänge und Abschlüsse bieten Sie an?
Andrea Braun: Unser Berufskolleg hat die Schwerpunkte Gesundheit und Soziales, Ernährung und Hauswirtschaft und Körperpflege. Dadurch bieten wir unseren Schülerinnen und Schülern vielfältige Bildungsangebote. Alle in Deutschland möglichen Schulabschlüsse, vom ersten Schulabschluss bis zum Berufsbachelor, ob erster Schulabschluss, mittlerer Schulabschluss, Fachabitur oder Fachoberschulreife bis zum Abitur sind bei uns möglich, darum gibt es für alle Schülerinnen und Schüler das richtige Lernangebot. Durch integrierte Praktika wird in allen Bildungsgängen interdisziplinäres Lernen mit starker Verknüpfung zur realen Arbeitswelt verfolgt. Die berufliche Bildung im Rahmen der Berufsausbildung ist in unseren beiden Fachschulen Sozialpädagogik und Heilerziehungspflege möglich, zusätzlich ermöglichen wir schulische Berufsabschlüsse in den Ausrichtungen Sozialassistenz, Heilerziehung, Kinderpflege und Ernährungs- und Versorgungsmanagement. Inn der Abteilung Körperpflege bieten wir neben den Berufsfachschulabschlüssen auch die duale Ausbildung im Friseurhandwerk an.
wir4: Welche Bedeutung hat Ihre Schule für die Fachkräftesicherung in der wir4-Region? Inwiefern kann der Campus dazu beitragen, dass junge Menschen nach der Ausbildung in der Region bleiben?
Andrea Braun: In allen Berufsfeldern kooperieren wir mit Ausbildungs- oder Praktikumsbetrieben und bieten so unseren Schüler:innen, Fachschulstudierenden und Auszubildenden unmittelbare Berufsperspektiven in Moers und am Niederrhein. Wir bilden aus oder bereiten vor auf Berufsausbildungen in expliziten Mangelberufen im Sozial- und Gesundheitswesen.
wir4: Was zeichnet Ihre Schule aus Ihrer Sicht besonders aus? Welche neuen Lern- und Ausbildungskonzepte (z. B. Digitalisierung, moderne Werkstätten, neue Berufsbilder) sind am Berufsbildungs- Campus vorgesehen?
Andrea Braun: Das Berufskolleg Hermann Gmeiner in Moers ist seit August des Jahres 2025 Teil des größten Berufsbildungs Campus im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf dem Campus Gelände befindet sich außerdem ein kaufmännisches und ein technisches Berufskolleg sowie eine Pflegefachschule. Dieser Neubau verbindet innovative Lernkonzepte mit architektonisch offenen Lernräumen. Die offene Architektur unterstützt alle am Schulleben Beteiligten unsere Werte wie soziale Vernetzung, Transparenz und gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Die gehobene professionelle Ausstattung in unseren Klassen- und fachräumen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, Auzubildenden und Studierenden sowie den Lehrkräften ein wertschätzendes Arbeitsklima.
wir4: Wie gelingt bei Ihnen die Verbindung von Theorie und Praxis?
Andrea Braun: An unserem Berufskolleg ist die Verzahnung von Theorie und Praxis in allen Bildungsgägnen konzeptionell verankert. Spezielle Praktikumskonzepte und die Kooperation mit den Ausbildungspartnern sind gelebte Praxis.
wir4: In welchen Berufsfeldern sehen Sie aktuell den größten Fachkräftebedarf? Welche Rolle spielt der Campus bei der Förderung von Bildungsgerechtigkeit und individuellen Bildungswegen?

Andrea Braun: Insbesondere die Praxisintegrierten Ausbildungsgänge im Sozial- und Gesundheitswesen solle dem Fachkräftemangel in der Region entgegenwirken. Hinzu kommen intensivierte Zusammenarbeit mit der Friseurinnung zur Stärkung des Berufsstandes sowie der Aufbau eines Praktikumstellennetzes für die Ausbildungsberufe im Bereich der Gesundheit und Gastronomie.

Bildungsgerechtigkeit:
Unsere Schülerschaft ist durch eine ausgeprägte soziale, kulturelle und biografische Vielfalt gekennzeichnet. 56 % der ca. 1150 Schülerinnen und Schüler haben eine Zuwanderungsgeschichte. Diese Heterogenität begreifen wir als Chance für demokratisches Lernen: Wertschätzung, Mitbestimmung, Verantwortungsübernahme und individuelle Förderung sind zentrale Prinzipien unseres pädagogischen Handelns. Insbesondere für Lernende mit brüchigen Bildungserfahrungen verstehen wir Schule als Ort der Orientierung, Stärkung und aktiven Beteiligung. Aktuell unterrichten 104 Lehrkräfte unterstützt durch 2 Schulsozialarbeiter:innen am HGB.

wir4: Was macht berufliche Bildung an Ihrer Schule für junge Menschen attraktiv?

Andrea Braun: Klarer Praxisbezug, Handlungsorientiertes, entdeckendes Lernen als Unterrichtsprinzip, Methodenvielfalt zur Förderung der Selbsttätigkeit und Erweiterung der Medienkompetenz durch professionelle digitale Ausstattung (Active Panel, Ipad-Klassen, PC-Räume, MS-Teams als Unterrichtsplattform)

wir4: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen? Wie werden regionale Unternehmen konkret in die Ausbildung und Weiterentwicklung der Berufsschulen eingebunden?

Andrea Braun:

  • Jährliche gemeinsame Berufemesse am BCM
  • Mit den Beiräten im Sozial- und Gesundheitswesen auf die Praxis /Ausbildung – abgestimmte Unterrichtskonzepte
  • Kooperationen z. B. mit Krankenhäusern
  • Durchführung von u.a. integrativen Projekten mit Kooperationspartnern in – und außerhalb der Schule (z. B. Seven Garden in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Bewegungsprojekte in Kitas)
wir4: Welche Themen werden die berufliche Bildung in den nächsten Jahren besonders prägen?

Andrea Braun:

  • Künstliche Intelligenz im Unterricht (Erweiterung der Medienkompetenz und – –
  • konstruktiver Umgang damit in neuen Lernsettings)
  • Robotik in Gastronomie und Pflege
  • Umgang mit kultureller Vielfalt
  • Demokratiebildung
wir4: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beruflichen Bildung in der wir4-Region? Welche Signalwirkung hat der Berufsbildungs-Campus aus Ihrer Sicht über die wir4-Region hinaus?
Andrea Braun: Da wir der größte BerufsbildungsCampus in NRW sind, können wir als positives Beispiel für verzahnte berufliche Bildung fungieren. Ein Campus-Konzept, das Gelingensbedingungen für die Region ermöglicht kann in sofern Richtungsweisend werden.
wir4: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle als Schulleiterin bzw. Schulleiter?

Andrea Braun: Wie auch in den vergangenen Jahren speist sich unsere Motivation daraus, unserer vielfältigen Schülerschaft passende Bildungsangebote machen zu können und sie auf die sich verändernden Anforderungen des aktuellen Ausbildungs- und Arbeitsmarktesvorzbereiten. Als Schulleitung des HGBs möchten wir diese Herausforderungen meistern, indem wir uns in einem räumlich und persönlich eng verzahnten Schulleitungsteam mit den anderen Schulen am Campus zusammentun.

wir4: Welche Vorteile sehen Sie für Ihre Schule als Teil des Berufsbildungs-Campus?

Andrea Braun: Die Bildungsbiographien unserer Schülerinnen und Schüler können wir durch das große Bildungsangebot passgenau unterstützen.
Synergieeffekte auf allen Ebenen der Schulgemeinschaften schaffen und nutzen.
Gemeinsam können wir unsere Reichweite, auch in die Bildungs, Schul- und Arbeitsmarktpolitik hinein nutzen, um uns für die Belange unserer Schülerschaft einzusetzen.

wir4: Frau Braun, herzlichen Dank für das Gespräch.