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Interview

Julia Zupancic

Bürgermeisterin der Stadt Moers

Der Kreis Wesel und seine Partner nehmen berufliche Bildung ernst und gestalten sie zukunftsorientiert. Der Campus zeigt, dass wir gemeinsam zeitgemäße Antworten auf Fachkräftesicherung, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt finden können. Innovation findet nicht nur an Universitäten oder Fachhochschulen statt – auch die berufliche Bildung ist ein zentraler Ort für Fortschritt und kreative Konzepte.
Wir4: Frau Bürgermeisterin, welche Bedeutung hat der neue BerufsbildungsCampus für Moers und die wir4-Region?
Julia Zupancic: Es ist für uns von großer Bedeutung, dass der Kreis Wesel den BerufsbildungsCampus auf unserem Stadtgebiet errichtet hat. Der neue Campus sendet ein starkes Zukunftssignal – für Moers, die gesamte wir4-Region und das Kreisgebiet. Er steht für moderne Bildung und enge Zusammenarbeit zwischen Schulen, Wirtschaft, Kreisverwaltung und Kommunen. Für Moers ist der Campus eine nachhaltige Investition in die Zukunft junger Menschen und in die Fachkräfte von morgen. Er schafft zeitgemäße Lernorte, fördert Innovation und stärkt unseren Bildungsstandort langfristig. Der Campus ist ein gemeinsames Projekt, das regionale Stärken bündelt, Ausbildungsangebote besser vernetzt und Unternehmen dabei unterstützt, qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. So fördern wir nicht nur individuelle Karrierewege, sondern auch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung unserer Region.
Wir4: Welche Signalwirkung hat der BerufsbildungsCampus aus Ihrer Sicht über die wir4-Region hinaus?
Julia Zupancic: Der BerufsbildungsCampus sendet weit über die wir4-Region hinaus ein klares Signal: Der Kreis Wesel und seine Partner nehmen berufliche Bildung ernst und gestalten sie zukunftsorientiert. Er zeigt, dass wir gemeinsam zeitgemäße Antworten auf Fachkräftesicherung, Digitalisierung und den Wandel der Arbeitswelt finden können. Innovation findet nicht nur an Universitäten oder Fachhochschulen statt – auch die berufliche Bildung ist ein zentraler Ort für Fortschritt und kreative Konzepte. Der Campus ist ein tolles Beispiel für moderne Lernorte, starke Kooperationen zwischen öffentlicher Hand, Schulen und Wirtschaft sowie für eine Ausbildung, die gleichwertig neben akademischen Bildungswegen steht. Damit macht der Kreis Wesel deutlich: Berufliche Bildung ist ein zentraler Schlüssel für wirtschaftliche Stärke – regional wie überregional.
Wir4: Welche Chancen eröffnet die Bündelung verschiedener Schulen am Campus für die Schülerinnen und Schüler?
Julia Zupancic: Die Schülerinnen und Schülern profitieren von modernen Lernumgebungen, gemeinsam genutzten Werkstätten und einer besseren, moderneren Ausstattung, die einzelne Standorte allein kaum bieten könnten. Der Kreis Wesel hat damit eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen. Vor allem aber fördert der Campus den Austausch und erzeugt eine gewisse „Durchlässigkeit“: Bildungswege werden transparenter, Übergänge leichter und individuelle Talente können gezielter gefördert werden. Die jungen Menschen erleben Schule nicht isoliert, sondern als vernetztes System, das Orientierung gibt, Perspektiven eröffnet und sie bestmöglich auf Ausbildung und Beruf vorbereitet. Vorteilhaft ist auch, dass die jungen Menschen durch die räumliche Nähe auch mit Schülerinnen und Schülern anderer Fachgebiete in Kontakt kommen und sich austauschen können. Das erweitert den Blick oder schafft auch eine Alternative, wenn man den Bildungsbereich möglicherweise wechseln möchte.
Wir4: Wie trägt der Campus zur Fachkräftesicherung in der wir4-Region bei?
Julia Zupancic: Der Berufsbildungscampus spielt eine zentrale Rolle in der Fachkräftesicherung nicht nur in Moers sondern in der gesamten wir4-Region und natürlich im Kreis Wesel, indem er praxisnahe Ausbildungsangebote an vier Berufsschulen bereitstellt und die Verbindung zwischen Theorie und Praxis stärkt. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe können wir sicherstellen, dass die Ausbildungsinhalte den aktuellen Anforderungen des Marktes entsprechen und somit die Schülerinnen und Schüler optimal auf ihre zukünftige Tätigkeit vorbereiten.
Wir4: Wie setzen Sie sich dafür ein, die Fachkräfte in der Region zu halten?
Julia Zupancic: Wir arbeiten aktiv daran, jungen Menschen Perspektiven in der Region aufzuzeigen, etwa durch die Vernetzung von Betrieben, Schulen, Kammern und Arbeitsagenturen sowie über verschiedene Netzwerke. Moers ist bereits ein toller Wohn- und Arbeitsstandort. Trotzdem wollen wir uns darauf nicht ausruhen, sondern uns weiterentwickeln und noch attraktiver werden. Dies gilt gerade für attraktive Wohnangebote sowie einem breiten Spektrum an Freizeit- und Bildungseinrichtungen, einer lebendigen und attraktiven Innenstadt und vielem mehr.
Wir4: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Schulen und Unternehmen?
Julia Zupancic: Diese Zusammenarbeit ist absolut wichtig, um den Übergang von Schule zu Beruf erfolgreich zu gestalten. Durch gemeinsame Projekte wie die jährlich stattfindende Ausbildungsmesse sorgen wir dafür, dass Bildung, Wirtschaftsförderung und lokale Unternehmen eng verzahnt sind und gemeinsam an Ausbildungslösungen arbeiten.
Wir4: Wie werden regionale Unternehmen konkret in die Ausbildung und Weiterentwicklung der Stadt und der wir4-Region eingebunden?
Julia Zupancic: Regionale Unternehmen beteiligen sich zum einen aktiv an den Ausbildungsmessen wie beispielsweise der Open-Air-Messe am Berufsbildungscampus oder der „connect me“ an der Hochschule Rhein-Waal. Dort präsentieren die Firmen Stellen-, Ausbildungs- und Praktikumsangebote und knüpfen früh Kontakte zu den Jugendlichen. Über unsere Wirtschaftsförderung stehen wir zusätzlich in engem Austausch mit den Betrieben. Sie sind integraler Bestandteil der Ausbildung, indem sie Praktikumsplätze anbieten und sich aktiv an der Gestaltung von Ausbildungsinhalten beteiligen. Sie unterstützen zudem die berufliche Weiterbildung durch Fachvorträge und Workshops, an denen Auszubildende und Schüler teilnehmen können. Diese enge Verknüpfung sorgt dafür, dass die Ausbildungswege praxisnah und zukunftsorientiert bleiben. Durch die wir4-Agentur werden zudem Netzwerkplattformen und Beratungsangebote geschaffen, die Unternehmen helfen, Personalstrategien zu entwickeln und Ausbildungsplätze zu besetzen.
Wir4: Vor welchen Herausforderungen steht die Region aktuell in Sachen Fachkräfteentwicklung?
Julia Zupancic: Wie viele Regionen stehen auch wir aktuell vor der Herausforderung, mit dem demografischen Wandel und dem zunehmend spürbaren Mangel an qualifizierten Fachkräften umzugehen. Auch die Generationsunterschiede (Stichwort: GenZ/Gen Alpha) sind eine Herausforderung und machen es noch wichtiger, Ausbildungs- und Arbeitsangebote enger mit den Bedürfnissen junger Menschen und Unternehmen zu verzahnen, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Zudem müssen wir uns auch dem Wettbewerb mit größeren Städten im Umkreis stellen und unsere Standortvorteile weiter stärken und offensiv präsentieren.
Wir4: Haben Sie ein Ziel für Ihre aktuelle Amtszeit?
Julia Zupancic: Auf einen Slogan heruntergebrochen: Miteinander Moers! Mein Ziel ist es, Moers gemeinsam zu gestalten: mit Dialog statt Polarisierung, mit Investitionen in Bildung und Zukunftsprojekte, mit einer starken Wirtschaft, lebendiger Kultur und verlässlicher Verwaltung – transparent und verantwortungsvoll. Das bedeutet für mich: Den Menschen zuhören, Verantwortung übernehmen und auch in schwierigen Zeiten Hoffnung, Zusammenhalt und Gestaltungskraft bewahren.
Wir4: Wie können junge Menschen frühzeitig für Ausbildung und Berufsperspektiven in der Region begeistert werden?
Julia Zupancic: Wir setzen auf direkte Begegnungen zwischen Jugendlichen und Unternehmen, zum Beispiel durch große Ausbildungs- und Berufsmessen wie die Open-Air-Ausbildungsmesse am Berufsbildungscampus und die „connect me“-Messe für Ausbildung, Praktikum und Berufseinstieg. Solche Veranstaltungen bieten jungen Menschen praxisnahe Einblicke, Orientierung und erste Kontakte zu potenziellen Ausbildungsbetrieben und wecken so früh Interesse an regionalen Perspektiven.
Wir4: Gibt es hierbei Programme von der Stadt? (Berufsberatung)
Julia Zupancic: Ja, die Stadt Moers und viele Partner bietet umfangreiche Programme zur Berufsberatung an, die auf die Bedürfnisse junger Menschen ausgerichtet sind. Dazu gehören individuelle Beratungsgespräche, Informationsveranstaltungen an Schulen und die Zusammenarbeit mit dem BerufsbildungsCampus, um Schülerinnen und Schülern den Zugang zu Ausbildungswegen und Praktika zu erleichtern. Unser Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler umfassend auf ihren Eintritt in das Berufsleben vorzubereiten und ihnen die Vielfalt der regionalen Ausbildungslandschaft nahezubringen.
Wir4: Welche Visionen haben Sie für die Entwicklung der wir4-Region in den kommenden Jahren?
Julia Zupancic: Für die wir4-Region strebe ich eine nachhaltige Entwicklung an, die auf einer starken Wirtschaft, innovativen Ausbildungsangeboten und einer hohen Lebensqualität basiert. Eine starke, vernetzte wir4-Region, in der Zukunftsfähigkeit, Innovation und Fachkräftesicherung Hand in Hand gehen – mit attraktiven Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für alle Generationen. Wir wollen mit gemeinsamen Initiativen, Netzwerken und den lokalen Unternehmen den Standort weiterentwickeln, Betriebe und Talente eng miteinander verbinden und die regionale Wirtschaft nachhaltig stärken.
Wir4: Frau Zupancic, herzlichen Dank für das Gespräch.