Moers · Kamp-Lintfort · Neukirchen-Vluyn · Rheinberg
Moers · Kamp-Lintfort
Neukirchen-Vluyn · Rheinberg
Interview


Christian Graack: Mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung hält das Mercator Berufskolleg am Standort des BerufsbildungsCampus Moers sowohl sieben vollzeitschulische als auch dreizehn ausbildungsbegleitende Bildungsgänge im Berufsschulbereich vor und damit ein breitgefächertes Spektrum an schulischen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten. Durch das Angebot können Schülerinnen und Schüler ausgehend vom Erwerb des ersten Schulabschlusses in den Klassen der Ausbildungsvorbereitung und den Internationalen Förderklassen, über den ersten erweiterten und den mittleren Schulabschluss in der Berufsfachschule bis hin zum Fachabitur und der Allgemeinen Hochschulreife alle Abschlüsse erwirken, die das Bildungssystem vorsieht. Im Anschluss daran kann eine Ausbildung in dreizehn verschiedenen kaufmännischen Berufsbildern oder ein Studium an einer Hochschule oder Universität angestrebt werden, je nach Zielsetzung und Bedürfnis unserer Schülerinnen, Schüler und Auszubildenden.
Christian Graack: Neben der professionellen Vorbereitung der Schülerinnen, Schüler und Auszubildenden auf die Aufgaben und Herausforderungen der Berufswelt im Bereich Wirtschaft und Verwaltung, definiert das Mercator Berufskolleg Moers ferner Lernen als einen sozialen Prozess und sieht damit seine Aufgabe darin, den einzelnen Menschen zu sehen und in seiner Persönlichkeit umfassend zu bilden und zu erziehen. Dabei ist es uns ein wichtiges Anliegen im Zuge der Ausbildung unseren Auszubildenden einen „Blick über den Tellerrand“ zu ermöglichen – ganz im Sinne Gerhard Mercators. Auslandspraktika gehören ebenso dazu wie die die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern in den Blick zu nehmen. Unsere Aufgabe als Schule ist es, mit unseren Schülerinnen und Schüler nicht allein die erforderlichen Fachkompetenzen für einen erfolgreichen Berufseinstieg oder die Aufnahme eines Studiums zu entwickeln. Unsere Aufgabe als Schule ist es vielmehr Anschlussperspektiven zu eröffnen, die begleitet werden von unserem Wunsch, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur der Berufseinstieg gelingt, sondern dass sie sich selbstbestimmt und eigenverantwortlich den Dingen stellen können, die diesen begleiten. Verbraucherbildung ist somit für uns ein elementarer Bestandteil ganzheitlicher Kompetenzentwicklung, egal ob es um Finanzbildung geht oder Fragen bestehender Möglichkeiten zur körperlichen und mentalen Gesunderhaltung im Arbeitsalltag.
Anschlussperspektiven zu eröffnen ist unsere Kernaufgabe, auch und gerade für die, die mit besonderem Förderbedarf ihren Weg in die berufliche Teilhabe innerhalb der Gesellschaft suchen. Das Mercator Berufskolleg hat aufgrund dessen eine Klasse gemeinsamen Lernens eingerichtet, die die inklusive Beschulung im Bereich der Ausbildungsvorbereitung weiterdenkt und durch berufsbezogene und begleitende Praktika Anschlussperspektiven für benachteiligte Schülerinnen und Schüler gezielt in den Blick nimmt.
Dieser Neubau verbindet zudem innovative Lernkonzepte mit architektonisch offenen Lernräumen. Die offene Architektur unterstützt alle am Schulleben Beteiligten unsere Werte wie soziale Vernetzung, Transparenz und gemeinsames Lernen zu ermöglichen. Die gehobene professionelle Ausstattung in unseren Klassen- und fachräumen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studierenden sowie den Lehrkräften ein wertschätzendes Arbeitsklima.
Christian Graack: Gemessen an der aktuellen Nachfrage an Ausbildungsplätzen scheint der Bereich medizinischer Fachberufe von nach wie vor regionaler Bedeutung zu sein. Gleichermaßen werden Fachkräfte im (Einzel-)handel wie auch im Bereich Lager und Spedition offenkundig gesucht.
Bildungsgerechtigkeit: Unsere Schülerschaft ist durch eine ausgeprägte soziale, kulturelle und biografische Vielfalt gekennzeichnet. Viele der 1887 Schülerinnen, Schüler und Auszubildende haben eine Zuwanderungsgeschichte. Diese Heterogenität begreifen wir als Chance für demokratisches Lernen: Wertschätzung, Mitbestimmung, Verantwortungsübernahme und individuelle Förderung sind zentrale Prinzipien unseres pädagogischen Handelns. Insbesondere für Lernende mit brüchigen Bildungserfahrungen verstehen wir Schule als Ort der Orientierung, Stärkung und aktiven Beteiligung. Aktuell unterrichten 95 Lehrkräfte unterstützt durch zwei Schulsozialarbeiterinnen und einer Sonderpädagogin am Mercator Berufskolleg.
Christian Graack:
Christian Graack: Schule hat sich in den zurückliegenden zehn Jahren enorm gewandelt und wird auch in Zukunft tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen unterworfen sein, die uns als Schule immer wider zu Anpassungsprozessen bewegt.
Aber jeden Tag, an dem ich das Schulgebäude betrete weiß ich, dass ich in der Bewältigung dieser herausfordernden Aufgabe nicht allein bin. Ich weiß ein motiviertes, offenes und tatkräftiges Kollegium um mich, ich habe eine tolle erweiterte Schulleitung, die mich unterstützt und ich habe mit meinem Stellvertreter eine sehr feinsinnige, kluge und wertschätzende Persönlichkeit an meiner Seite, mit der es Freude macht sich alldem täglich aufs Neue zu stellen. Und nebenbei: Auch nach beinahe einem Vierteljahrhundert in Schule freue ich mich jeden Tag hierher zu kommen, weil die Arbeit, die wir für diejenigen tun, die im Mittelpunkt all unserer Bemühungen stehen, mich wirklich erfüllt.