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Interview

Markus Schroller und Birsel Kasilmis

Leiter der Bethanien Akademie und Leiterin der Pflegefachschule

Auf dem Campus Bethanien sind die Wege kurz, die Kommunikation ist zeitnah und unkompliziert. Praxisanleiter:innen sitzen Tür an Tür mit Pädagog:innen, planen Einsätze gemeinsam. Auszubildende können jederzeit mit ihren Anliegen an uns herantreten; bei Konflikten oder sensiblen Situationen, etwa nach einem Trauerfall in der Familie, reagieren wir flexibel und passen Einsätze an.
Niederrhein Manager: Herr Schroller, die Bethanien Akademie Moers ist die zentrale Bildungseinrichtung der Stiftung Krankenhaus Bethanien für die Grafschaft Moers – wie würden Sie als Leiter der Akademie den Bildungsauftrag Ihrer Einrichtung prägnant beschreiben?

Markus Schroller: Wir bieten primär Bildungsangebote der Aus-, Fort- und Weiterbildung für die Stiftung Krankenhaus Bethanien und unsere Kooperationspartner. Darüber hinaus nehmen Gesundheitsunternehmen und Privatpersonen der Region Moers, Wesel und des linken Niederrheins unsere Angebote wahr.

NRM: Frau Kasilmis, was zeichnet die staatlich anerkannte Pflegefachschule der Bethanien Akademie Moers in Ihren Augen als Schulleiterin aus – insbesondere im Hinblick auf Praxisnähe, Begleitung der Auszubildenden und die Verzahnung von Schule und Klinikalltag?

Birsel Kasilmis: Auf dem Campus Bethanien sind die Wege kurz, die Kommunikation ist zeitnah und unkompliziert. Praxisanleiter:innen sitzen Tür an Tür mit Pädagog:innen, planen Einsätze gemeinsam. Auszubildende können jederzeit mit ihren Anliegen an uns herantreten; bei Konflikten oder sensiblen Situationen, etwa nach einem Trauerfall in der Familie, reagieren wir flexibel und passen Einsätze an.

NRM: Herr Schroller, Sie bauen die Akademie strategisch aus – welche Rolle spielt dabei die neue Notfallsanitäterschule, die gemeinsam mit dem Kreis Wesel gegründet werden soll?

Schroller: Die Notfallssanitäterschule soll, als Teil der Bethanien Akademie, gemeinsam mit dem Kreis Wesel, der Stadt und der Feuerwehr Moers gegründet werden. Allerdings muss zunächst die staatliche Anerkennung durch die Bezirksregierung Düsseldorf erfolgen. Diese ist bereits beantragt.
Die Notfallsanitäterschule wird zukünftig die handelnden Personen in Klinik und Präklinik enger vernetzen und eine regionale Einheitlichkeit schaffen. Bislang fehlt im Kreis Wesel eine solche Schule, weshalb Auszubildende oft weit und zu unterschiedlichen Schulen fahren müssen. Unser Ziel ist, hier einen zentralen Ausbildungsort zu etablieren und den professionellen Austausch zwischen Klinik und Rettungsdienst im Kreis Wesel zu stärken.

NRM: Wie gelingt Ihnen die enge Verzahnung von Theorie und Praxis in der Ausbildung konkret – etwa durch Kooperationen mit den Stationen im Krankenhaus Bethanien oder Lehrrettungswachen?

Schroller: Die Verzahnung von Theorie und Praxis ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung –
sowohl in der Pflege-, als auch in der Notfallsanitäterausbildung. Dabei kommen den Praxisanleitungen in beiden Ausbildungsberufen eine besondere Rolle zu. Sie fördern, leiten und begleiten die Auszubildenden in der beruflichen Realität. Gleichzeitig sind sie im regelmäßigen Austausch mit den Pädagog:innen der Schule. Im Rahmen der jährlichen berufspädagogischen Fortbildung sind sie an der Bethanien Akademie auch im Austausch mit Praxisanleitungen anderer Bereiche, Berufsgruppen und Institutionen.
Ebenso bedeutsam wie die Praxisanleitung, sind die Lernorte der jeweiligen Ausbildung: theoretischer Unterricht an der Schule, praktische Unterricht im Simualtionstraining und praktische Ausbildung an der Lehrrettungswache, der Klinik oder der Altenhilfeeinrichtung.
Darüber hinaus pflegen wir eine regelmäßige Kommunikation mit allen Kooperationspartnern, um gute Beispiele, Ideen und Lösungsstrategien zu teilen und individuelle Situationen, Entwicklungsziele und Lernbedarfe gemeinsam zu reflektieren.

NRM: Welche besonderen Profile, Schwerpunkte oder innovativen Lehrkonzepte unterscheiden Sie von anderen Bildungsanbietern im Gesundheitswesen – und wo sehen Sie Ihren spezifischen Wettbewerbsvorteil?

Kasilmis: Ein Alleinstellungsmerkmal ist unsere Kommunikationstrainerin. Sie ist Germanistin und Fachbereichsleitung für Sprache & Kommunikation, die sowohl mit in Deutschland aufgewachsenen als auch mit internationalen Auszubildenden arbeitet. Sie stärkt sprachliche Sicherheit, Auftritt, verbale und nonverbale Kommunikation und bietet gezielte Unterstützung bei Prüfungsangst oder individuellen Hürden; dieses Angebot setzen wir auch in Fort- und Weiterbildungen, etwa für Praxisanleitungen, ein. Unsere besondere Stärke liegt darin, Menschen nicht mit ihren Startbedingungen allein zu lassen, sondern sie individuell zu fördern.

Ein weiterer Punkt ist, dass wir im Rahmen der generalistischen Pflegeausbildung alle drei Vertiefungsschwerpunkte – Akutkrankenhaus, Pädiatrie und Langzeitpflege im Seniorenstift – aus einer Hand anbieten, was viele Einrichtungen nicht leisten können.

NRM: Qualifizierte Fachkräfte sind knapp: Wie tragen Ihre Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote dazu bei, die Fachkräftesicherung in der Stiftung Bethanien, im Kreis Wesel und der wir4-Region langfristig zu stärken?

Schroller: Die Angebote der Akademie greifen mit der Struktur der Stiftung eng ineinander, sodass Auszubildende und neue Mitarbeitende schnell Teil der Gemeinschaft werden und sich weiterentwickeln können. Menschen, die vor einigen Jahren Unterstützung im sprachlichen Bereich von uns erhalten haben, übernehmen heute Verantwortung als Praxisanleitung und bilden selbst junge Kolleginnen und Kollegen aus. Wir verstehen uns als multikulturelle Stiftung in einem multikulturellen Umfeld und legen großen Wert auf Kultursensibilität: Unterschiedliche kulturelle Hintergründe werden anerkannt, zugleich vermitteln wir gemeinsame Standards und Werte. Ein professionelles Onboarding, das auch praktische Unterstützung umfasst, sowie ein wertschätzendes Offboarding tragen dazu bei, dass Fachkräfte bleiben oder manchmal auch zurückkehren.

NRM: Herr Schroller, Frau Kasilmis – herzlichen Dank für das Gespräch!