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Interview

Peter Dischhäuser

Schulleiter - Berufskolleg Technik

Die wirtschaftliche Zukunft der wir4-Region entscheidet sich auch in unseren Klassenräumen und Werkstätten. […] Wer hier lernt, bleibt häufig hier, arbeitet hier und gestaltet hier seine berufliche Zukunft.
wir4: Bitte stellen Sie Ihre Schule kurz vor: Welche Bildungsgänge und Abschlüsse bieten Sie an?

Peter Dischhäuser: Das Berufskolleg für Technik Moers steht für durchlässige, leistungsfähige und zukunftsorientierte technische Bildung. Wir begleiten junge Menschen vom ersten Schulabschluss bis zur Fachhochschulreife oder zur Weiterbildung als staatlich geprüfte Technikerin bzw. staatlich geprüfter Techniker.

Wir bieten folgende Abschlüsse an:

  • Ersten Schulabschluss
  • Erweiterten Ersten Schulabschluss
  • Mittleren Schulabschluss
  • Fachhochschulreife
  • Berufsabschluss im dualen System
  • Staatlich geprüfte/-r Techniker/-in (Fachrichtung Mechatronik)

 

Unsere Bildungsgänge reichen von der Ausbildungsvorbereitung über Berufsfachschulen in Ingenieurtechnik, Elektrotechnik sowie Informations- und Gestaltungstechnik bis hin zur Fachschule für Technik.
Im dualen System bilden wir in zentralen gewerblich-technischen und handwerklichen Berufen aus – von der Metall- und Elektrotechnik über Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bis hin zur Informationstechnik und Fahrzeugtechnik. Wir verstehen uns nicht nur als Schule, sondern als technisches Bildungszentrum für die Region.

wir4: Welche Bedeutung hat Ihre Schule für die Fachkräftesicherung in der wir4-Region? Inwiefern trägt der Campus dazu bei, dass junge Menschen nach der Ausbildung in der Region bleiben?
Peter Dischhäuser: Die wirtschaftliche Zukunft der wir4-Region entscheidet sich auch in unseren Klassenräumen und Werkstätten. Ohne eine leistungsfähige berufliche Bildung vor Ort verlieren Regionen junge Menschen – und mit ihnen Innovationskraft, Fachkompetenz und Wettbewerbsfähigkeit. Die Möglichkeit, eine qualifizierte Ausbildung in Wohnortnähe zu absolvieren, ist für viele Jugendliche ein entscheidender Faktor bei der Berufswahl. Wer hier lernt, bleibt häufig hier, arbeitet hier und gestaltet hier seine berufliche Zukunft. Wir sichern Fachkräfte in Bereichen, die für Industrie, Handwerk, Digitalisierung und Energiewende essenziell sind. Besonders die durchgängige Fachrichtung Ingenieurtechnik ermöglicht jungen Menschen – unabhängig vom Schulabschluss – den Einstieg in technische Zukunftsberufe. Damit schaffen wir echte Aufstiegsperspektiven und verhindern Bildungsabbrüche. Berufliche Bildung ist für uns immer auch aktive Standortpolitik.
wir4: Was zeichnet Ihre Schule besonders aus? Welche neuen Lern- und Ausbildungskonzepte sind am Berufsbildungs-Campus vorgesehen?
Peter Dischhäuser: Mit dem Neubau haben wir ein klares pädagogisches Signal gesetzt: Berufliche Bildung braucht professionelle Lernumgebungen. Die hochwertige bauliche Infrastruktur und moderne technische Ausstattung spiegeln unsere Überzeugung wider, dass berufliche Bildung gleichwertig und zukunftsweisend ist. Moderne Bildung findet nicht nur an Universitäten statt, sondern ebenso an leistungsfähigen Berufskollegs. Unsere Multifunktionsräume verbinden Theorie und Praxis konsequent. Werkbänke, Versuchsstände, digitale Tafeln und Projektbereiche sind integraler Bestandteil des Unterrichts. Lernräume sind Arbeitsräume – orientiert an realen beruflichen Anforderungen. Digitalisierung ist gelebter Bestandteil unseres Schulalltags. Kollaboratives Arbeiten über Microsoft Teams, digitale Präsentationstechniken, projektorientierte Lernformate und technische Simulationen gehören selbstverständlich dazu.
wir4: Wie gelingt bei Ihnen die Verbindung von Theorie und Praxis?
Peter Dischhäuser: Berufliche Bildung lebt von Handlungskompetenz. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen problemorientiert und praxisnah. Modern ausgestattete Werkstätten, projektbasierter Unterricht und verpflichtende Praktika sorgen dafür, dass theoretisches Wissen unmittelbar angewendet und vertieft wird. Die enge Abstimmung mit unseren dualen Partnern stellt sicher, dass wir Qualifikationen vermitteln, die dem aktuellen Bedarf der Wirtschaft entsprechen. Theorie ohne Praxis bleibt wirkungslos – Praxis ohne Theorie bleibt oberflächlich. Unsere Aufgabe ist die professionelle und nachhaltige Verbindung beider Ebenen.
wir4: In welchen Berufsfeldern sehen Sie aktuell den größten Fachkräftebedarf? Welche Rolle spielt der Campus bei der Förderung von Bildungsgerechtigkeit und individuellen Bildungswegen?

Peter Dischhäuser: Der größte Fachkräftebedarf besteht derzeit insbesondere im:

  • Metall- und Maschinenbau
  • Bereich Elektrotechnik
  • Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  • Informationstechnik
  • Fahrzeugtechnik
  • gewerblich-technischen Handwerksbereich

 

Diese Berufsfelder sind systemrelevant für Infrastruktur, Energieversorgung, Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung. Ohne qualifizierte Fachkräfte geraten Transformationsprozesse ins Stocken.
Berufliche Bildung ist zugleich ein zentraler Hebel für soziale Durchlässigkeit. Wir bieten jungen Menschen mit unterschiedlichen Startbedingungen klar strukturierte, aufeinander aufbauende Bildungswege. Vom ersten Schulabschluss bis zur Fachschule eröffnen sich verlässliche Entwicklungsperspektiven innerhalb eines Systems, das individuelle Förderung ernst nimmt. Der Berufsbildungs-Campus stärkt diese Durchlässigkeit, indem er Bildungsangebote bündelt, Übergänge erleichtert und Beratung intensiviert. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit.

wir4: Was macht berufliche Bildung an Ihrer Schule für junge Menschen attraktiv?
Peter Dischhäuser: Berufliche Bildung bedeutet bei uns nicht „Alternative“, sondern „Option mit Zukunft“. Technische Berufe sind innovativ, anspruchsvoll und gesellschaftlich unverzichtbar. Die Verbindung von modernem Unterricht, hochwertiger Lernumgebung und der Möglichkeit, sich in vollzeitschulischen Bildungsgängen fachlich zu orientieren oder vorzuqualifizieren, eröffnet jungen Menschen vielfältige Perspektiven. Sie erhalten konkrete berufliche Anschlussmöglichkeiten und erleben technische Bildung als zukunftsrelevantes Handlungsfeld.
wir4: Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen und Einrichtungen?

Peter Dischhäuser: Die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen ist ein zentraler Schwerpunkt unserer Arbeit. Unsere Kooperation ist keine formale Partnerschaft, sondern gelebter Austausch.
Dies geschieht insbesondere durch:

  • das Bereitstellen von Praktikumsplätzen
  • die Zusammenarbeit bei Prüfungen
  • den kontinuierlichen Austausch zu Qualifikationsanforderungen
  • gemeinsame Projekte
  • die Beteiligung an Schulentwicklungsprozessen

 

So entsteht ein dauerhafter Dialog zwischen Schule und Wirtschaft. Wir reagieren nicht nur auf Bedarfe, sondern gestalten Entwicklungen gemeinsam.

wir4: Welche Themen werden die berufliche Bildung in den nächsten Jahren besonders prägen?

Peter Dischhäuser: Die berufliche Bildung wird in den kommenden Jahren insbesondere geprägt durch:

  • Digitalisierung und Industrie 4.0
  • den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Produktions- und Arbeitsprozessen
  • Energiewende und nachhaltige Technologien
  • Elektromobilität
  • Automatisierung und Robotik
  • Fachkräftemangel und demografischen Wandel
  • lebenslanges Lernen und modulare Weiterbildung

 

Berufskollegs übernehmen hier eine Schlüsselrolle, indem sie Qualifikationen für Transformationsprozesse vermitteln und Innovationsfähigkeit fördern.

wir4: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der beruflichen Bildung in der wir4-Region? Welche Signalwirkung hat der Berufsbildungs-Campus über die Region hinaus?

Peter Dischhäuser: Wünschenswert sind eine stärkere politische Priorisierung beruflicher Bildung, eine noch engere Verzahnung von Wirtschaft, Kommunen und Bildung, stabile Investitionen in technische Infrastruktur, eine gesellschaftliche Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung sowie gezielte Nachwuchskampagnen für technische Berufe.
Der Berufsbildungs-Campus Moers hat Signalwirkung über die Region hinaus. Er steht für moderne, leistungsfähige und strategisch abgestimmte berufliche Bildung und kann als Modell interkommunaler Bildungskooperation dienen. Er zeigt, dass Investitionen in berufliche Bildung Investitionen in wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit sind.

wir4: Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Rolle als Schulleitung?
Peter Dischhäuser: Mich motiviert die Möglichkeit, jungen Menschen echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen, Bildungsbiografien positiv zu beeinflussen, technische Bildung weiterzuentwickeln und gemeinsam mit Kollegium und Partnern tragfähige Strukturen zu gestalten. Berufliche Bildung bedeutet gesellschaftliche Teilhabe. Daran mitzuwirken ist für mich eine zentrale Antriebsquelle.
wir4: Welche Vorteile sehen Sie für Ihre Schule als Teil des Berufsbildungs-Campus?

Peter Dischhäuser: Der Berufsbildungs-Campus Moers stärkt uns durch:

  • gemeinsame Sichtbarkeit der vier beteiligten Schulen
  • gebündelte Ressourcen
  • strategische Abstimmung
  • verbesserte Infrastruktur
  • intensivere Vernetzung mit Wirtschaft und Politik
  • ein durchlässiges Bildungsangebot über mehrere berufliche Fachrichtungen hinweg

 

Der Campus schafft ein starkes Bildungsökosystem, das die berufliche Ausbildung in der Region nachhaltig stärkt und auf ein neues Niveau hebt.

wir4: Herr Dischhäuser, herzlichen Dank für das Gespräch.